Wieso Schmuck aus Os?

Schmuck aus Knochen ist nicht jedermanns Sache.
Meine schon.

Ohrstecker aus Silber, Knochen und Spessartine

Als ich mich beim Zeichnen näher mit knochenspezifischen Formen beschäftigt habe, war ich verwundert, wie Ästhetisch dieses Material sein kann. Bis dahin hatte ich es nur als „Überrest“ angesehen. Das hat sich grundlegend geändert. Aus dem „Wegwerfartikel“ wurde ein ernstzunehmender Grundstoff für wunderschöne Schmuckstücke. Gleichzeitig wurde mir die Diskrepanz bewusst. In einigen Kulturen – darunter unsere – werden Knochen nur als Gegenstände gesehen, die Ihren Zweck erfüllen sollen. In anderen Gemeinschaften erhalten sie eine Bedeutung, die über ihre ursprüngliche Funktion hinausgeht. Knochen schmücken, Knochen schützen, Knochen stützen.

Die Vergangenheit des Knochens dort vereint sich mit der neueren Geschichte. Zitieren möchte ich außerdem zwei Philosophen. In Hegels „Vorlesungen über die Ästhetik“ nennt er als Ziel das Zurückfinden zum Inhaltlichen sowie die Verbindung der Kunst mit einem äußeren Zweck und Interesse. Und Kant schreibt: „Allein die Tatsache, dass der Mensch Teil der Natur ist, sichert ihm die Möglichkeit etwas zuschaffen, das den Schönheiten der Natur ebenbürtig ist“ und „Künstler ist, wer durchdas Auswählen und Kombinieren von bereits vorhandenen Zeichen neue Zeichenschafft, die wiederum durch einen Akt der Betrachtung von Seiten des Publikums anerkannt und abgelehnt werden“.